Postwachstumsökonomie: Unreflektierte Radikalkritik zugunsten des status quo
  Wie die Postwachstumsökonomie dem Neoliberalismus in die Hände spielt
    Ein Gastartikel
       
 
Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung; heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.
 
    Voltairebekannter französischer Aufklärer    
 
Unsere Hauptaufgabe ist nicht, zu sehen, was in vager Ferne liegt, sondern nur das zu tun, das das Nächstliegende ist.
 
    Thomas Carlyleschottischer Historiker und Essayist    

Da die Neoliberalen vor der Krise ohne wirksamen Widerstand das Geschehen in der Weltwirtschaft bestimmt haben, können sie es sich nicht leisten, die massive Kritik, die heute gegen sie vorgebracht wird, einfach zu ignorieren. Natürlich verfolgen sie ihre Interessen nach wie vor, und vom Wachstum werden sie sich ganz bestimmt nicht verabschieden wollen. Aber in der Öffentlichkeit müssen sie ihre Absichten anders verpacken und wo es möglich ist auch wahrnehmbar anders auftreten als zuvor. In dieser Hinsicht sind die Forderungen der Postwachstumsökonomie für sie ein gefundenes Fressen. Auch die Sorge darum, wie es in Zukunft weitergehen soll, können sie leicht für sich ausnutzen. In diesem Beitrag werden wir uns ansehen, wie das funktioniert.

Der altbekannte Moralist und Verzichtsprediger in der neuen Gestalt des Postwachstumsökonomen

Das menschliche Streben nach mehr Wohlstand war schon immer das Ziel moralisierender Kritik. Tatsächlich kann diese Eigenschaft je nach den gegebenen Umständen Schaden anrichten, da nur allzu leicht das Maß dafür verloren geht, wie viel genug ist. Allerdings hatten die Moralisten meist nicht mehr als der erhobenen Zeigefinger zu bieten und setzten beim Individuum an bzw. verallgemeinerten solche Forderungen auf alle Menschen. Dabei übersahen sie nicht nur die Schwäche der Menschen, die es ihnen schwer macht, sich ohne oder gar gegen äußere Einflüsse zu bessern. Sie haben auch so gut wie nie ein umfassendes Verständnis der menschlichen Gesellschaft gehabt. Deswegen konnten sie keine praktisch umsetzbaren Lösungen anbieten. So ist es auch heute wieder mit den Anhängern der Postwachstumsökonomie. Daraus erwächst die mit Abstand größte Schwäche dieser moralisierenden Kritiker einer nicht näher definierten allgemeinen Maßlosigkeit: Sie können von den Neoliberalen spielend leicht eingesammelt werden. Das kritisiert der deutsche Ökonom Heiner Flassbeck ganz generell am Denken der politischen Linken in Deutschland:

„Für gesamtwirtschaftliche Vernunft ist da kein Platz. Fast allen Linken in allen Parteien war der Keynesianismus als Alternative zur herrschenden Lehre der Wirtschaftswissenschaft immer suspekt. Zwar begrüßten sie die besondere Rolle, die dort dem Staat bei der Stabilisierung der Gesamtwirtschaft zugewiesen wird. Wachstum, Einkommenssteigerungen für alle und ein florierender privater Konsum jedoch, die zentrale Bestandteile dieser Theorie sind, passen nicht in das sozial und ökologisch geprägte Weltbild. Also suchen sie, wie auch der bürgerliche Teil der Grünen, verzweifelt nach Alternativen und merken nicht, wie sie den Apologeten des Verzichts auf der anderen Seite der Straße auf den Leim gehen.“ ... >

Was haben wir nämlich immer von den Neoliberalen gehört? Wir könnten uns den Sozialstaat nicht mehr leisten. Wir müssten den Gürtel enger schnallen. Also runter mit Löhnen und Sozialleistungen! Die undifferenzierte Kritik am Streben nach wirtschaftlicher Entwicklung bietet den neoliberalen „Experten“ und Demagogen vorzügliche Möglichkeiten, ihre wahren Absichten zu verschleiern, etwa indem sie mit ökologischen Begründungen ihren Kampagnen ein grünes Mäntelchen umhängen. Die Postwachstumsökonomen und ihre Anhänger sind wahrlich keine Gegner für sie. Im Gegenteil, wir dürfen sogar annehmen, dass die Vertreter der Postwachstumsökonomie deswegen so oft zu Wort kommen, weil sie harmlose Kritiker sind. So können sich die neoliberalen „Experten“ den Anschein von Offenheit und Selbstkritik geben, ohne sich um eine Gefährdung des Status quo sorgen zu müssen.

Wir können uns nur allzu leicht ausmalen, was die Neoliberalen tun werden. Sie werden so weitermachen wie bisher und allenfalls dessen Rechtfertigung verändern. Ähnlich wie das berühmte „Bündnis für Arbeit“ bestrebt war, wie sie es sagten, „die Produktivität für die Beschäftigung zu reservieren“, werden den abhängig Beschäftigten Lohnerhöhungen vorenthalten, um die Kostenbelastung der Unternehmen nicht zu groß werden zu lassen, da sie andernfalls kein Geld für die Entwicklung neuer Technologien übrig hätten. Dabei wissen sie nur zu gut, dass steigende Preise die Unternehmen zu mehr Sparsamkeit und Innovation zwingen und nicht sinkende Kosten. Ein sehr anschauliches und wichtiges Beispiel für diese Taktik erleben wir gerade: die so genannte Energiewende. Die Industrie ist nach wie vor der bei weitem größte Stromverbraucher in Deutschland. Diese hat mit den Stromanbietern in vielen Fällen günstige Sondertarife abgeschlossen und auch die Regierungen erlassen ihr großzügig viele Abgaben. Nun soll die Stromerzeugung auf erneuerbare Energiequellen umgestellt werden. Sofort begannen die Unternehmerverbände damit, vor dem Anstieg der Strompreise zu warnen. Dabei verweisen sie heuchlerisch auf die Verbraucher, denen man eine solche Belastung nicht zumuten dürfte. Deren Löhne werden aber durch die Globalisierung und die von denselben Verbänden durchgesetzten „Reformen“ unten gehalten. Selbstverständlich erwähnen sie mit keinem Wort, wie die Privatisierung der Energieversorgung den Energiebedarf der einfachen Bürger in eine Quelle märchenhafter Profite für die Stromkonzerne gemacht hat. Nein, stattdessen werden weitere Steuersenkungen gefordert und tatsächlich auch Subventionen, „um die Energiewende zu stemmen“. Der Staat soll ihnen also weniger Geld abnehmen und ihnen auch noch reichlich dazugeben. Vor dem Hintergrund der staatlichen Schuldenlast ist es einfach darauf zu kommen, wie die Energiewende finanziert wird: Durch noch mehr Kürzungen bei öffentlichen Einrichtungen, im Sozialbereich usw. Und dann wird wieder darauf verwiesen werden, dass sich ja schließlich jeder Strom leisten können müsse. So wird im Namen von Umweltschutz und Mitmenschlichkeit die Mehrheit zum Verzicht gezwungen und um die Früchte der eigenen Arbeit betrogen, während die Profite für eine Minderheit sprudeln. Doch weder der Zustand der Umwelt noch der sozialen Verhältnisse besser sich. Noch perfider geht es wirklich nicht.

Auch für die Demokratie sind die Forderung nach Umkehr und Verzicht eine ernste Gefahr. Die deutsche Pulizistin und Autorin Cora Stephan schreibt dazu in Bezug auf die Aufregung um das Klima bzw. den Klimawandel:

„Nun, vielleicht könnte man den Klimaalarmismus für eine legitime Übertreibung halten, solange etwas Gutes dabei herauskommt. Schließlich haben wir auch aus dem Waldsterben gelernt, das nicht stattgefunden hat. Wenn da nicht die beunruhigende Leichtfertigkeit wäre, mit der aus der Größe der behaupteten Katastrophe auf die Dimension der Gegenmaßnahmen geschlossen wird. Bei einer Katastrophe greift der übergesetzliche Notstand. Logisch also, dass manch einer die liberale Demokratie für ein Hindernis bei der Rettung des Globus hält und ein autoritäres Regime der Experten empfiehlt.ldquo; ... >

Vergegenwärtigen wir uns an dieser Stelle, was die Vertreter des Neoliberalismus bisher so gesagt haben. Immer wenn sie bemerken, dass die Bürger ihre Aussagen und Forderungen nicht akzeptieren wollen, dann stellen sie sich nicht etwa selbst in Frage, sondern sprechen von einem „Vermittlungsproblem“. Andererseits weisen sie Kritik von Nicht-Fachleuten meist mit der Begründung zurück, die Thematik sei sehr komplex und nur für Spezialisten verständlich. Wer sich in solche Widersprüche verwickelt, der ist natürlich wenig überzeugend. Demokratische Entscheidungsprozesse stören die unfehlbaren „Experten“ nur bei der Arbeit. Die Politik indessen hat sich in den letzten Jahren selbst für absolut unfähig befunden oder korrumpieren lassen und überlässt privaten Kanzleien und Unternehmen das Schreiben von Gesetzen und die Umsetzung von Maßnahmen, die für die Allgemeinheit gedacht sind. Wenn man allgemeinen Verzicht für notwendig hält, dann wird es den Neoliberalen nur zu Recht sein, diesen auch durchzusetzen. Vielleicht wird das gegen den Willen des Volkes geschehen, aber man wird sagen, das sei doch nur ihrem Besten. Wir werden sehen, ob wir eine solche fürsorgliche Diktatur erleben werden und wer in dieser am meisten verzichten muss.

Denkfalle Zukunftssorge

Wie wir in den vorherigen Beiträgen gezeigt haben, sieht es so aus als wollten die Postwachstumsökonomen die Menschheit in eine bessere Zukunft führen, ohne zu wissen, wie man überhaupt in die gegenwärtige Situation gekommen ist. Überhaupt übt die Zukunft eine sehr große Faszination auf die Menschen aus. Doch die Sorge um sie erweist sich als Denkfalle im wahrsten Sinne des Wortes. Allenthalben wird dermaßen viel über die Zukunft debattiert, dass die gegenwärtigen Probleme schlicht ignoriert werden. So wird tatsächlich nur über mögliche Lösungen geredet, aber es passiert nichts. Nicht einmal die naheliegendsten praktischen Fragen werden erörtert. Der deutsche Publizist Dirk Maxeiner schreibt dazu in Bezug auf die Aussage „Die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft offenbart sich in ihrer Haltung gegenüber nachkommenden Generationen“, die Hans Eichel auf dem deutschen Umwelttag seinerzeit als hessischer Ministerpräsident machte:

„Wenn die Reichen von heute zugunsten künftiger Generationen verzichten, so werden die Armen von heute noch ärmer (weil sie uns noch nicht einmal mehr ihre Rohstoffe verkaufen können). Wir können aber doch nicht im Ernst das Elend jetziger Generationen in Kauf nehmen, um künftige Generationen zu schützen. Das Zitat des hessischen Ministerpräsidenten müßte also eigentlich lauten: »Die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft offenbart sich in ihrer Haltung gegenüber gegenwärtigen Generationen.« Nur ist dieser Satz weder schick noch speziell ökologisch. Er wäre aber wichtig und richtig. Es ist medienwirksamer, sich um künftige Generationen Sorgen zu machen als in armen Ländern bessere Toiletten und Kläranlagen zu bauen - moralischer ist es nicht.
Das Dilemma läßt sich weiter spinnen: Auch künftige Generationen werden in diese sehr unterschiedliche Welt hineingeboren. Sollen die Armen von heute etwa zugunsten von Reichen in 100 Jahren verzichten? Wie reich werden die Menschen in 100 Jahren überhaupt sein? Und wieviele Menschen wird es geben?“ ... >

Wie wir im vorgehenden Beitrag ausführlich dargestellt haben, ist es keine Lösung, einfach weniger von allem zu fordern. Die wichtige Rolle des technischen Fortschritts haben wir ebenfalls erörtert. Über diesen lässt sich wiederum endlos spekulieren, aber vorhersagen konnte ihn noch niemand. Das wäre ja auch ein Paradox: Eine Erfindung, die man korrekt vorhersagte, würde schließlich in diesem Moment erfunden sein. Auch die politischen Verhältnisse erleben regelmäßig die größten Umwälzungen, die niemand vorhergesehen hat. Um es technisch auszudrücken: Die Welt besteht aus einer riesigen Zahl von Variablen, die auf vielfältige Weise in Wechselwirkung miteinander stehen. Erfolgreiche Vorhersagen sind nur für einen kleinen Teil von ihr oder über sehr kurze Zeit möglich. Da Wissenschaftler auch nur Menschen sind, packt sie oft der blinde Ehrgeiz und sie versuchen immer wieder mehr. Für die Machteliten ist das ein weiterer Umstand, der ihnen gelegen kommt. Bekommt ein Wissenschaftler für seine Arbeit Aufmerksamkeit, ist es gar nicht mehr nötig, ihn zu bestechen, da er sich in seine Thesen verrennen und dadurch den Blick für die Realität verlieren kann.

An dieser Stelle ist es angebracht, einige Wort über die Faszination der Zukunft zu verlieren. Wenn man die Menschen beobachtet gewinnt man den Eindruck, dass sie offenbar nicht langweiliger finden als das was sie direkt vor der Nase haben. Vielen ist ihr Alltag allzu selbstverständlich und wirkt eher langweilig. Daher sind auch Träumereien weit verbreitet. Die allgemeine Aufregung um die Zukunft kann man als Ausdruck dieser Neigung zur Träumerei deuten. Hier haben wir es wieder mit dem Phänomen zu tun, wie eine gute Geschichte den Geist der Zuhörer gefangen nimmt. So lässt die monumentale Zukunft die Gegenwart klein aussehen. Da es die Zukunft ja (noch) gar nicht gibt, kann man seiner Phantasie und Wunschvorstellungen – seien sie positiv oder negativ - freien Lauf lassen. Aus der Zukunft kommt kein Protest und kein Widerspruch. Also bester Stoff für endlose Spinnereien, die zu nichts führen.

Eine wichtige Tatsache darf man in diesem Zusammenhang jedoch auf keinen Fall übersehen. Das Erstellen von Prognosen mit hoch gesteckten Zielen unter Verwendung wissenschaftlicher Methoden ist nichts Neues. Wir hatten im vorherigen Beitrag schon erwähnt, dass die meisten davon weit davon entfernt waren, richtig zu liegen. Hier wird eine andere sehr menschliche Eigenschaft der Wissenschaftler sichtbar – sofern sie nicht ohnehin korrupt sind. Die Autoren einer widerlegten Prognose haben viel Arbeit umsonst getan und leiden unter verletztem Stolz. Deswegen versuchen sie oft, durch Spitzfindigkeiten zu beweisen, dass sie eigentlich doch Recht haben. Das beste Beispiel hierfür ist der Klimawandel. Egal was das Wetter auch tut, alles wird als dessen Beleg gedeutet, besonders wenn es sich um extreme Ereignisse handelt, auch wenn es dem widerspricht, was vor einiger Zeit vorhergesagt wurde. So verkommt Wissenschaft zum Disput über Glaubenssätze. Nicht umsonst wird von Kritikern manchmal schon von einer „Klimareligion“ gesprochen.

Die Reichen und Mächtigen sehen solchen bis in die Unendlichkeit verlängerten Debatten um das, was man nicht wissen kann, gerne zu oder fördern sie sogar. So lange die engagierten Leute sich untereinander streiten, passiert ihnen nichts und sie können weitermachen wie bisher.

Einige Überlegungen über Zukunft und Ökonomie

Wie wir eben angedeutet haben, interessieren sich die Menschen brennend für die Zukunft. Das kann man schon daran erkennen, dass es seit Jahrtausenden Wahrsagerei gibt und die Astrologie bis heute eine veritable Einnahmequelle darstellt. Der Wunsch, die Zukunft kennen zu können dürfte dem Bestreben des Menschen entspringen, sich aus einem Zustand Unsicherheit bzw. Unwissenheit zu befreien. Das ist auch gut und richtig so, denn so werden neue Entdeckungen gemacht. Trotzdem ist und bleibt das Abgleiten der menschlichen Vorstellungskraft in praxisferne Spekulationen eine der größten Hindernisse, eine bessere Welt zu schaffen.

Man könnte den Umgang mit der Frage, wie man sich der Zukunft gegenüber verhalten soll, in die folgende Frage fassen: Ist es sinnvoller zu wissen was man tun muss wenn es brennt oder das Wissen wann es brennen wird? Was auch passiert, geschieht immer in der Gegenwart und dort müssen wir damit zurechtkommen. Dabei ist es oft, aber nicht immer, recht einfach zu sehen, was sich ändern muss, während der Weg dorthin viel schwieriger zu finden ist. Natürlich muss man sich Gedanken darüber machen was passieren könnte und was angesichts dessen zu tun ist. Nur, mit dem sprichwörtlichen spitzen Bleistift lässt sich so etwas nicht planen. Das Bestreben, die notwendigen Maßnahmen z. B. gegen erwartete Überschwemmungen und Stürme exakt dimensionieren zu können, ist ein weiterer Auswuchs der Dominanz des betriebswirtschaftlichen Denkens. Bloß nicht zu viel ausgeben und Geld für ein Bauwerk „verschwenden“, das größer ausgefallen ist als es laut Prognose hätte sein müssen. Betriebswirte atmen in einem solchen Fall nicht auf, dass die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetreten sind, sondern trauern dem „fehlinvestierten“ Teil des Geldes hinterher. Was dagegen nur selten thematisiert wird: Der Schutz vor extremen Wetterereignissen ist auch eine soziale Frage. Naturkatastrophen ereignen sich am häufigsten in den armen Ländern oder treffen die Armen am schlimmsten, so wie es bei den Zerstörungen durch den Sturm „Katrina“ im Süden der USA der Fall war. Es ist traurige Realität, dass derjenige, der nichts hat, auch nicht gegen die Naturgewalten Vorsorge treffen kann.

Das bringt uns unmittelbar zu unserem Hauptthema, nämlich Wirtschaftswissenschaft. An vielen Stellen dieser Website wird dargestellt, wie die Ökonomie in den vergangenen Jahrzehnten als Wissenschaft versagt hat bzw. wird mit Absicht von einer Weiterentwicklung abgehalten wurde. Dies unterläuft die Bemühungen und das Renommee der anderen Wissenschaften. So können z. B. Ökologen und verwandte Disziplinen nur eine Aussage darüber treffen, ob eine Wirtschaftsweise nachhaltig funktioniert oder nicht und was geändert werden müsste, um das zu erreichen. Humanitär ausgerichtete Hilfsorganisationen können sagen, woran es den Menschen, um die sie sich kümmern, am meisten fehlt. Doch wenn die Ökonomie keine brauchbaren Ergebnisse liefert oder sich meistbietend kaufen lässt, dann entstehen solche Irrtümer wie die Postwachstumsökonomie. Es handelt sich hierbei um das Produkt von etwas, das man Kompetenzüberschreitung nennen könnte: Engagierte Köpfe, die auf ihrem Gebiet gut sind, stellen die gegebene Wirtschaftsordnung in Frage, ohne aber wirklich zu wissen wie. Wer die Globalisierung herausfordern will, der muss sie selbst richtig verstanden haben und in der Lage sein, eine realistische Alternative zur neoklassischen Theorie anzubieten. Es kann wirklich tieftraurig stimmen, dass eine so offensichtlich abwegige Theorie schon so lange die Wirtschaftswissenschaft dominiert und auch nachdem sie ein zweites Mal eine riesige Krise erzeugt hat weit davon entfernt ist, endgültig verworfen zu werden.