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       Die Lüge von der leistungsgerechten Einkommensverteilung auf dem Markt
     Wie der Finanzsektor Profite „leistungsgerecht“ kassiert und Verluste sozialisiert
           Ein Gastartikel
 
 
Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?
 
  Bertolt Brecht, bekannter deutscher Dramatiker und Lyriker    

Der Finanzsektor ist derjenige Teil der Weltwirtschaft, der in den vergangenen drei Jahrzehnten am stärksten gewachsen ist und wo mit Abstand die größten, ja geradezu märchenhafte Gewinne erzielt worden sind. Heißt das, im Finanzsektor arbeiten nur Genies, die alle großartige Arbeit leisten? Bestimmt nicht. In einem der vorherigen Beiträge hatten wir bereits darauf hingewiesen, dass individueller Erfolg sich nicht allein (oder sogar überhaupt nicht) auf persönliche Qualitäten und Fähigkeiten des Einzelnen zurückführen lässt. Diese Erkenntnis lässt uns die Arroganz und den Größenwahn erfolgreicher Bänker und Börsenhändler gelassener hinnehmen. Doch es geht um mehr als Einzelpersonen. Der Finanzsektor unterscheidet sich nämlich vom Rest der Wirtschaft in besonderer Weise. Das sehen wir uns näher an.

In einem Unternehmen, das Waren produziert geht es darum, mit dem Absatz der Waren einen möglichst hohen Gewinn zu erzielen. Dabei sorgt die Konkurrenz der Unternehmen dafür, dass bestehende Produktionsabläufe verbessert oder völlig neue Produkte erfunden werden. Wenn das gelingt, haben sowohl Unternehmen als auch Kunden etwas davon. Das innovative Unternehmen verbessert seinen Absatz und der Kunde kann das gleiche Produkt günstiger erwerben oder etwas Neues ausprobieren. Wollen die konkurrierenden Unternehmen nicht vom Markt gedrängt werden, müssen sie sich bemühen, nachzuziehen. So breiten sich sowohl verbesserte Produktionstechniken als auch neue Produkte immer weiter aus. Damit wäre der ideale Ablauf des technischen Fortschritts in einer Marktwirtschaft grundsätzlich beschrieben. Banken und Börsen haben wir dabei mit keinem Wort erwähnt. Wozu sind sie eigentlich gut?

Um zu verstehen, was Banken und Börsen genau leisten und warum sie für die Wirtschaft unentbehrlich sind, sind gewisse wirtschaftstheoretische Kenntnisse erforderlich. Darauf kommen wir auch noch zu sprechen. Aber der Unterschied zwischen Realwirtschaft und Finanzwirtschaft lässt sich auch ohne umfassendes Denkmodell begreiflich machen.

Banken gehen bekanntlich mit nichts anderem um als mit Geld. Am Geld an sich ändert sich wenig. Da fällt einem doch gleich die Frage ein, was es mit dem Gerede von den „Innovationen“ im Finanzsektor auf sich hat. Um Innovationen wie in der Realwirtschaft handelt es sich in der Tat nicht. Es wäre nicht falsch, von Etikettenschwindel zu sprechen. Der deutsche Ökonom Heiner Flassbeck hat es auf den Punkt gebracht:

„Was wir nämlich spätestens jetzt endlich zur Kenntnis nehmen müssen: Banken produzieren nichts und sie sind weder produktiv noch innovativ. Die Volksverdummung beginnt schon damit, dass Banken das, was sie ihren Kunden anbieten, als „Produkte“ bezeichnen. […] Banken machen aber immer das Gleiche: Sie leihen Geld über relativ kurze Fristen und verleihen es über längere Fristen. Dabei ist Geld zu verdienen, weil die Zinsen für lange Fristen meist höher sind als die für die kurzen. Dabei gehen die Banken aber auch ein Risiko ein, weil die pünktliche Rückzahlung von Krediten über lange Fristen nie so sicher ist wie ihre kurzfristige Verpflichtung gegenüber den Einlegern. Insgesamt ist das durchaus ein Geschäft, aber sicher kein Bombengeschäft, bei dem man systematisch und auf längere Zeit gewaltige Renditen von 20 und mehr Prozent […] erzielen könnte.“ ... >

Bei näherem Hinsehen wird es noch schlimmer. Banken können gar nicht im realwirtschaftlichen Sinne innovativ sein, selbst wenn sie das wollten. Ihre Tätigkeit bezieht sich ja stets auf Investitionen, die erst noch getätigt werden müssen. Und ob eine Investition sich lohnen wird, das kann niemand vorher wissen. Wäre es anders, müssten die Banken keine Sicherheiten für ihre Kredite verlangen. Daran wird sich auch nichts ändern, denn das einzige was wir über die Zukunft sicher wissen ist, dass wir niemals in der Lage sein werden, die Zukunft vorauszusagen. Die zwingende Schlussfolgerung daraus: Während das Gewinnstreben in der Realwirtschaft systematisch zu Verbesserungen der Volkswirtschaft führen kann, ist das im Finanzsektor nicht möglich. Was passiert, wenn in letzterem eifrig an neuen „Produkten“ gebastelt wird, haben die letzten Jahre deutlich gezeigt.

„Sie [die Finanzmärkte] erzeugen gefährliche Spielzeuge, indem sie in ihrer Gier nach kurzfristigem Gewinn auf unverantwortliche Weise mit dem Geld anderer Leute in der Hoffnung spekulieren, dass es genügend Dumme auf der Welt gibt, die nicht merken, wie sie von smarten Bankern über den Tisch gezogen werden.“ ... >

Und weil es offensichtlich nicht genügend Dumme gab, griff der Staat den Banken unter die Arme und trieb die Leute in die private Altersvorsorge und öffnete den neuen „Finanzprodukten“ Tür und Tor.

In unserer Betrachtung der Finanzmärkte fehlen noch Börsen und Aktien. Zunächst müssen wir uns darüber klar werden, was eine Aktie ist. Schon beim Wort Aktie wird manchem übel, aber sie sind trotzdem keine Erfindung des Bösen. Ihrem ursprünglichen Sinn nach sind sie eine vernünftige Art der Finanzierung neuer Investitionen. Durch die Aktie findet das Geld der Sparer seinen Weg zum Investor. Das haben wir jedoch auch bei einem herkömmlichen Kredit. Der Sparer trägt sein Geld auf die Bank, die ihm nach einer vereinbarten Frist das Geld mit Zinsen wieder ausbezahlt. Die Bank leiht das Geld des Sparers einem Investor aus, der sich seinerseits verpflichtet, es der Bank mit Zinsen zurückzuzahlen. Damit die Bank das Risiko des Zahlungsausfalls minimiert, verlangt sie Sicherheiten - der Investor belastet z. B. sein Haus mit einer Hypothek. Im Falle des Zahlungsausfalles gehört das Haus der Bank, die durch den Verkauf versucht, das Geld zurückzuholen. Nur, es ist nie sicher, ob eine hinterlegte Sicherheit im Ernstfall ausreicht, das Risiko zu decken. Wir merken, dass bei einem herkömmlichen Kredit die Bank ein Risiko eingeht, so dass die Bankiers sich Mühe machen werden, sich richtig zu erkundigen, was der Investor vor hat zu tun. Bei der Aktie hingegen ist es ganz anders. Gibt ein Unternehmen Aktien aus, ist die Investition identisch mit ihrem Kaufpreis. Hat sich die Investition als Fehlschlag herausgestellt, sieht der Aktienbesitzer sein Geld nicht wieder. Die Bank hat schon längst als Vermittler und Berater ihre Provision kassiert, sie hat mit dem Wertverlust der Aktion nichts zu tun. Eine runde Sache - für die Bank. Allerdings gibt es für sie auch nichts extra zu verdienen, wenn die Investition sich rentiert. Dann erhält der Investor aus dem Gewinn des Unternehmens eine Dividende, die man als Verzinsung der Anlagesumme versteht. Die Unternehmensfinanzierung durch Aktien hat aber auch ihre Schattenseiten. In der globalisierten Welt mit ungehemmten Warenströmen und entfesselten („liberalisierten“) Finanzmärkten dominieren die Kapitalbesitzer immer mehr die arbeitende Bevölkerung. Nur was letztere nicht bekommen, landet im Gewinn und damit den Dividenden.

Noch größere Probleme entstehen, wenn Aktien nicht nur von den Unternehmen ausgegeben, sondern auch gehandelt werden. Genau das ist in den letzten Jahren passiert. Sehen wir uns an, was der Handel mit Aktien und Aktienkurse überhaupt sind.

„Sie [Finanzprodukte] sind nicht mit realen Werten gleich zu setzen. Ihr Wert ist eine fiktive Größe, die nur einen vagen Bezug zu Werten in der vertrauten Realwirtschaft hat. […] Der aktuelle Preis der Aktie eines Unternehmens wird angegeben als der Preis, zum dem die letzte im Börsensystem verbuchte Transaktion abgeschlossen worden ist. Damit wird suggeriert, das auch alle anderen Aktien dieses Unternehmens zu diesem Preis verkauft werden können, unabhängig davon, zu welchem Preis sie ursprünglich gehandelt worden waren. Wenn aus irgendeinem Grunde ein Käufer bereit ist, das Doppelte der letzten Kursnotierung für nur einige wenige Aktien zu zahlen, verdoppelt sich rechnerisch der Wert aller Aktien des Unternehmens. Das Unternehmen verdoppelt seinen Marktwert, seine Marktkapitalisierung, obwohl nur ein geringer Bruchteil aller ausstehenden Aktien gehandelt worden ist. Dieser Effekt führt dazu, dass die rechnerischen Werte für die Marktkapitalisierung von Unternehmen nur noch bedingt etwas mit dem realen Geschehen in diesem Unternehmen zu tun haben.“ ... >

An dieser Stelle wird das Problem überdeutlich. Wer sich nur für den Kurs seiner Aktien interessiert, die er zu einem günstigen Zeitpunkt kaufen und verkaufen will, kümmert sich überhaupt nicht um das Wohlergehen des Unternehmens. Das Unternehmen wiederum wird durch den Druck der Aktionäre von seiner eigentlichen Aufgabe, etwas zu produzieren und damit langfristig Gewinn zu machen abgelenkt. Stattdessen trimmen es die Führungskräfte darauf, kurzfristig gute Einschätzungen seiner Lage zu erhalten. Aktienkurse sind schließlich nichts weiter als in Geldbeträge übersetzte Meinungen der Marktteilnehmer. Und die können sich irren, ja oft liegen sie massiv falsch und folgen nur dem viel zitierten Herdentrieb. Dazu kommt noch, dass sich Börsenkurse nicht nur durch tatsächliche Gewinne, sondern auch durch zufällige oder gezielt gestreute Gerüchte und Halbwahrheiten beeinflussen lassen, nicht selten in erheblichem Ausmaß. Das alles spielt sich sehr zum Nachteil der Beschäftigten ab. Wie oft hört man in den Nachrichten, dass der Kurs einer Aktie steigt, wenn mal wieder die Kosten reduziert wurden, vorrangig durch Lohnkürzungen und Entlassungen? Mit einer sinnvollen oder gar „optimalen“ Lenkung der Kapitalströme hat das nichts zu tun. Damit hat sich auch die oft behauptete Funktion der Börsen als Indikator des realwirtschaftlichen Zustands erledigt. Oder will jemand ernsthaft behaupten, die massiven Schwankungen an der Börse z. B. während der berüchtigten dotcom-Blase hätten eine Entsprechung in der Realwirtschaft? Und das Schlimmste am Aktienhandel: Man kann sich eine goldene Nase verdienen, ohne wirtschaftlich (oder überhaupt) etwas geleistet zu haben. An den Börsen werden keinerlei Werte geschaffen (aber auch keinerlei Werte vernichtet). Wenn in den Börsennachrichten mal wieder die Rede von gewaltigen „Wertverlusten“ ist, dann spricht der Reporter aus der Perspektive des Anlegers, der dem Geld hinterher trauert, das er niemals hatte, aber hätte haben können, hätte er seine Aktien nur rechtzeitig verkauft. Den theoretischen Hintergrund der Aktien und des Aktienhandels sehen wir uns noch genauer an.dorthin

An dieser Stelle dürfen wir nicht auslassen, kurz darüber zu sprechen, welche Kalamitäten uns der Aktienhandel sonst noch beschert hat. Dazu zählen etwa die so genannten feindlichen Übernahmen, bei denen ein Unternehmen seine Eigenständigkeit verliert, weil die Mehrheit der ausgegebenen Aktien in einer Hand konzentriert wird. Eine feine Möglichkeit für große Konzerne, lästige Wettbewerber zu schlucken. Was hat das noch mit Marktwirtschaft zu tun? Auch die berüchtigten Hedgefonds haben sich im Aktienhandel fettgefressen, bevor sie jüngst dazu übergingen, mit praktisch allem zu handeln, was Gewinn bringt. Und woher haben wohl Private Equity-Fonds, die „Heuschrecken“, das Geld her, um nicht börsennotierte Unternehmen zu kaufen, um dann so viel Geld aus ihm herauszuziehen wie nur möglich? Man könnte hier noch sehr lange weiter aufzählen, welche Gaunereien sich die Finanzprofis ausgedacht haben. Brechen wir an dieser Stelle ab und halten fest, dass sie sich nicht für die Finanzierung neuer Investitionen und wirtschaftlichen Fortschritt, sondern nur für ihren Gewinn interessieren. Die Bezeichnung Casino-Kapitalismus ist deswegen durchaus treffend. Es wird gewagt, gewonnen und verspielt, es wird dabei nichts Nützliches geschaffen und am Ende gewinnt immer die Bank.

Darüber spricht man aber nicht. Stattdessen gibt es jeden Abend vor den Nachrichten - mittlerweile müsste man sagen noch immer - das Neueste von der Börse. Die Finanzmärkte werden von Medien und Regierungen nach wie vor hofiert und gelobt. In den Medien faselte man bei jeder Gelegenheit auch noch den Unsinn vom „Finanzplatz Deutschland“. Bis die große Krise ausbrach. Was dann passierte, mag man in der Rückschau nicht wahr haben. Was eben noch der Segen für unsere Wirtschaft und unseren Wohlstand sein sollte, erwies sich als ein schwarzes Loch. Haben sich die Banken und Börsen davor ihre „Leistung“ noch horrend vergelten lassen, sind sie jetzt von so viel „Leistung“ völlig pleite und lassen sich von den Staaten vor dem Kollaps retten. Man würde meinen, sie haben was gelernt, aber weit gefehlt. Kaum hatten die Staaten den Banken deren faule Anlagen abgenommen und in öffentliche Schulden umgewandelt, bediente man sich der Vorkrisenrhetorik, als sei nichts geschehen. Es heißt: Europa habe eine Staatsschuldenkrise, weil viele Staaten nicht solide gewirtschaftet hätten. Und auch die Medizin, von der unsere Wirtschaft umgefallen ist, gilt als richtig, nur die Dosis müsste höher sein. Die Staaten müssen sparen, nur eben noch drastischer als früher: die Schuldenbremse muss her. Wie immer soll besonders bei den Lohnabhängigen gespart werden und allen, die sich noch weniger wehren können, wie Arbeitslosen, Rentnern und chronisch Kranken. Da schrumpft die Wirtschaft dramatisch und weil als Folge davon die Steuereinnahmen sinken, sinken auch die Staatsschulden nicht. Nun springt wieder der Staat ein. Er sorgt dafür, dass die privaten Banken Geld von der Zentralbank bekommen, für das sie kaum noch Zinsen zahlen müssen. Sie verleihen dieses Geld dann an die Staaten mit hohen Risikozinsen, die natürlich nur auf Kosten des normalen Steuerzahlers garantiert werden können. Milliardenschwere Rettungsschirme werden aufgespannt, um das „Vertrauen“ des Finanzsektors zurückzugewinnen - um das „Vertrauen“ derjenigen zu erwerben, die keines Vertrauens würdig sind.

Was uns besonders überrascht, ist diese neue Rolle des Staates. Wollte man noch vor wenigen Jahren den Staat in die Geschichte verabschieden, weil er nur etwas Böses sein konnte, kommt er jetzt mit voller Wucht wieder zurück. Und nun ist er auf einmal doch gut. Warum nur? Weil er das globale Finanzsystem vor dem Zusammenbruch rettet und dafür sorgt, dass die Banken und Anlagefonds jederzeit ihre Gewinne einstreichen können, egal wie und womit. Ist das überhaupt noch ein demokratischer Staat? Nicht wenige bestreiten das. Man spricht seit Neuestem auf staatlicher Seite ganz unverblümt von einer „marktkonformen“ Demokratie.

Das Teuflischste an der ganzen Angelegenheit: Die Reichen haben zwar die ganz großen Räder gedreht, aber zugleich haben sie den „kleinen Mann“ mit tatkräftiger Hilfe des Staates zum Mittäter gemacht. Durch die Einführung privater Vorsorgesysteme gelangten auch die Ersparnisse normaler Leute mit auf die globalen Finanzmärkte. So ketteten die Reichen den Rest der Bevölkerung an sich mit der niemals offen ausgesprochenen, aber trotzdem deutlichen Drohung „Wenn wir draufgehen, geht ihr mit!“. Die Reaktion der Medien erschöpft sich derweil in moralischer Empörung. Die Politik schließt sich in Sonntagsreden an, um dann ab Montag wieder jeden Wunsch der Finanzbranche zu erfüllen, so gut es geht.

Was lässt sich nun über den Finanzsektor abschließend sagen? Ein gut funktionierender Finanzsektor ist für eine Volkswirtschaft unentbehrlich, weil die Realwirtschaf auf Kredite angewiesen ist. Der Finanzsektor ist für eine Volkswirtschaft unentbehrlich. Wenn man all die Übertreibung und Verblendung beiseite schiebt und ihn auf seine volkswirtschaftlich wichtige Funktion reduziert, bleibt eine relativ langweilige Branche übrig, in der es keine garantierten Reichtümer zu holen gibt und die den dort Beschäftigen keine außerordentlichen Fähigkeiten abverlangt. Das heißt wiederum nicht, dass dort nur Hampelmänner arbeiten, die überhaupt nichts können. Aber erst recht nicht kann man von den „Masters of the Universe“ sprechen. Eher von einem Paradies für Gauner. Denn die Finanzbranche bietet jede Menge Gelegenheiten, die eigenen Kunden übers Ohr zu hauen, wie es in der Realwirtschaft niemals möglich wäre. Liefert ein Unternehmen eine Maschine, die nicht funktioniert, kann sie sich nicht rausreden und mit advokatischen Spitzfindigkeiten aus der Affäre ziehen. Wirft eine Investition nicht die versprochene Rendite ab, sagt die Bank ihrem Kunden einfach, er habe etwas nicht richtig verstanden oder irgend etwas falsch gemacht, aber die Bank sei ja nur ein Dienstleister und für Erfolg oder Misserfolg der Investition nicht verantwortlich. Davon ist natürlich keine Rede, wenn es um die Festlegung von Gehältern und Boni geht.

Daraus lässt sich folgern, dass Bänker und Börsianer nur so etwas wie Trittbrettfahrer realwirtschaftlicher Aktivität sind. Doch gerade deswegen darf man ihnen nicht mehr wirtschaftliche Macht zuschreiben, als sie wirklich haben. Ihr gewaltiger Einfluss, so wie er sich heute darstellt, ist nicht zwangsläufig mit der Wirtschaftsordnung Marktwirtschaft verbunden. Die Krisen der Marktwirtschaft kann man ihnen nicht in die Schuhe schieben. Um im Bild zu bleiben: Die Trittbrettfahrer mögen ein Ärgernis sein, aber am Entgleisen des Zuges sind sie schuldlos. Ihre Schuld und ihre eigentliche Macht liegen im Bereich der Politik. Sie haben es nämlich geschafft, dem Betreiber der Bahnstrecke (dem Staat) einzureden, die Bahn würde am besten funktionieren wenn er Fuhrpark und Strecke einfach sich selbst überlässt und allenfalls noch Extra-Trittbretter anbringt. Auch dazu sagen wir später mehr.

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