home suche  
 
  Inhaltsverzeichnis zu diesem thematischen Schwerpunkt  
  Warum Ackermann angeblich kein Unmensch ist
  Für wie dumm halten uns solche Menschen eigentlich?
 
 
Womit haben die Gierigen dieses Geld verdient? Haben sie einen Wert geschaffen, einen nützlichen Gegenstand, ein nützliches Produkt? Haben sie eine Erfindung gemacht, die die Menschheit voranbringt? Haben sie Frieden gestiftet, das soziale Zusammenleben durch kluge Gesetze gefördert, gar ein Kunstwerk hinterlassen? Nichts von alledem: Sie sind Makler, sie kaufen und verkaufen die zu Aktien geronnenen Ergebnisse der Leistung anderer. Sie erarbeiten buchstäblich nichts, sie schaffen keine bleibenden Werte. Ihr Tun ist nichts anderes als der legalisierte Diebstahl fremder Arbeitserträge.
 
  Der bedeutende SPD Politiker, jetzt in der Partei Die Linke, Ulrich Maurer        

Josef Ackermann, der Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bank, ist bekanntlich ein sehr erfolgreicher - sprich ein märchenhaft verdienender - Manager. Bekannt wurde er durch den Mannesmann-Prozess, genauer gesagt, durch den zum V - gleich „Victory“ - gespreizten Finger vor Gericht. In diesem Prozess ging es um die Sonderzahlungen, die als Anerkennungsprämien für angeblich erbrachte, besondere Managerleistungen deklariert wurden, tatsächlich für die Mannesmann AG nutzlos waren und die Empfänger unrechtmäßig bereicherten. Wie dieser Prozess enden würde, konnte man sich unschwer vorstellen. Die Manager sind nämlich Menschen, die selber Juristen sind und Zeit und Mittel haben, alles was sie tun, juristisch so zu verpacken, dass es gerichtlich später kaum anfechtbar ist. Das ist in der Tat ihre einzige Fähigkeit, die sich mit handfesten Tatsachen belegen lässt. Alles andere, was über sie berichtet wird, lässt sich zwischen PR- Propaganda und Märchen einordnen. Eine neue Erkenntnis ist dies nicht. Es ist bekannt (oder es sollte sein), dass die Frühliberalen - von Adam Smith, über John Stuart Mill bis Alfred Marshall - von keiner anderen sozialen Gruppe eine so schlechte Meinung hatten, wie von der Managerklasse. Ihre Nachfolger, die Neoliberalen, wie bei vielen anderen Auffassungen, stellen auch in dieser Hinsicht alles auf den Kopf: Sie heben die Manager in den Himmel. Der Unterschied zwischen dem Frühliberalismus und dem späteren (und heutigen) Neoliberalismus ist in der Tat vergleichbar mit dem Unterscheid zwischen dem Marxismus und Stalinismus. Darüber aber später.

Nur noch kurz etwas über den Mannesmann-Prozess. Der Vorsitzende Richter des Landesgerichts Düsseldorf stellte fest, dass nach dem jahrelangen Rechtsstreit kein öffentliches Interesse mehr an der Fortsetzung des Verfahrens bestehe. Man höre und staune: „Kein Interesse“ am Verfahren, bei dem es um rund 60 Millionen Euro Prämien ging, die an Ex-Mannesmann-Manager geflossen waren. Folgerichtig stimmte das Gericht der Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflagen von insgesamt 5,8 Millionen Euro zu, ohne dass die Schuldfrage geklärt worden ist. Herr Ackermann musste den größeren Teil von 3,2 Millionen Euro übernehmen, sein Mitangeklagter Klaus Esser, Ex-Mannesmann-Chef, 1,5 Millionen Euro. Die Manager mussten also nicht einmal ein Zehntel von dem, was sie - weiß der Kuckuck wie - „verdient“ haben, zurückzahlen. Sie haben in der Tat großartig gesiegt.

„Wäre der Satz 'Die Kleinen henkt man und die Großen lässt man laufen' noch nicht erfunden, wäre heute der richtige Tag dafür“, schimpfte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast nach der Gerichtsentscheidung. Der bayerische SPD-Politiker und Oppositionsführer Franz Maget (SPD) urteilte, die vom Landgericht festgesetzten Geldauflagen stellten „für einen Menschen in der Einkommensklasse des Herrn Ackermann in der Tat nichts anderes dar als die berühmt-berüchtigten Peanuts.“ CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer reagierte ähnlich: „Wie eine solche Freikaufaktion auf das gesunde Rechtsempfinden der Menschen im Lande wirkt, so wirkt es auch auf mich.“ Dass sich die Politiker mit dem Volk so einig sind, kommt in der Tat nicht oft vor. Dies hat sie aber nicht veranlasst darüber nachzudenken, wie sie die Gesetze ändern sollten, damit die Gerichte nicht solche Entscheidungen treffen müssen.

Das einzig Interessante am Mannesmann-Prozess war alleine die Fröhlichkeit und Siegessicherheit des Herrn Ackermann: sein Victoryzeichen. Was ging damals im Kopf dieses Menschen vor? Weil er uns dies nie verraten wird, versuchen wir es uns selber zu erklären. Das Viktoryzeichen symbolisiert nur eins: den Sieg. Was tut aber ein Mensch, der vor Gericht steht? Ist er dort um zu siegen? Nach Ackermann and Co. eindeutig ja. Für sie ist das Gericht eine Arena wie jede andere. Man kämpft, um zu siegen: So wie man über die Konkurrenz siegt. So wie man über die Arbeiter siegt, wenn man ihre Löhne kürzt und die eigenen aufstockt. So wie ein Fußballteam über ein anderes siegt. So wie ein Pirat siegt, wenn er ein Schiff überfallen und beraubt hatte. Und so weiter. Das sind also unsere so genanten Eliten. Sie sind unheimlich stolz darauf, über die demokratischen Gesetze unseres Landes zu siegen. Eigentlich haben sie keine gute Meinung von diesen Gesetzen. Sie sind nicht gut genug für sie. In einem demokratischen Staate werden sie doch nicht von ihnen, zumindest nicht direkt, geschrieben. Sie kommen von den Politikern, die von den Bürgern gewählt werden - also von der Masse. Über solche Gesetze zu siegen muss doch eine Ehre sein. Der Sieg über sie würde bedeuten, dass die Vernunft über die Dummheit und Willkür der Masse gesiegt hat.

Der „einfache“ Bürger versteht das Gericht anders. Er will zumindest glauben, bei Gesetzen gehe es um Gerechtigkeit. Gerechtigkeit? Was ist bitte schön Gerechtigkeit? - hören wir immer wieder von unseren „modernen“ Eliten. Ein widerliches Wort für sie. Gehöre überhaupt nicht zu den „neuen Zeiten“. Die neoliberale ökonomische Theorie von Ende des 19. Jahrhunderts, an die unsere Eliten glauben, will vom Wort Gerechtigkeit nichts wissen. Hayek, der sich für die Verbreitung dieser Ideologie so verdient gemacht hat, wie der heilige Paulus für die Verbreitung des Christentums, hat sich alle Mühe gegeben nachzuweisen, dass es so etwas wie Gerechtigkeit nicht gibt. Der Begriff ist für ihn Blödsinn. Warum ist es für die modernen Eliten so wichtig, dass es keine Gerechtigkeit gibt?

Wenn jemand nur den Sieg, aber keine Gerechtigkeit bzw. Werte kennt, kann er auch die Wahrheit nicht so ernst nehmen. Wahrheit? Was ist schon Wahrheit - wurde schon damals Jesus von Pilatus gefragt. Auch sie gibt es nicht. Alles ist relativ und eine Interpretationssache. Auch Herr Ackerman ist offensichtlich fest davon überzeugt. So sagt er uns, er habe sich (auf einem Foto) das Haus von Lafontaine angeschaut und dazu könne er nur sagen: „Der lebt wesentlich prunkvoller als ich.“ Ein starkes Stück. Einer, der etwa zehn Tausend Euro pro Monat verdient, sollte also prunkvoller leben können als einer, der mehr als eine Million verdient - also mehr als hundert Mal so viel? Das ist also die Wahrheit, wie sie Herr Ackerman versteht. Dass diese Aussage keine helle Empörung in unserem Lande hervorrufen hat, ist nicht verwunderlich. Wir sind an ähnliche Dreistigkeiten unserer Eliten schon längst gewohnt. Uns wird schon Jahrzehnte lang eingehämmert, dass sogar die Sozialhilfeempfänger dermaßen prachtvoll leben, dass eigentlich sie es sind, auf die man richtig neidisch sein muss. Sie seien diejenigen, deren Gier angeprangert werden muss. Über sie soll man bitte reden und sie an den Pranger stellen. Nicht die Managerklasse. Sie sollte keiner kritisieren. Nach Ackermanns Meinung darf dies nicht einmal ein Literaturnobelpreisträger Günter Grass. „Woher nimmt dieser Herr eigentlich das Recht, über andere Menschen, die er gar nicht kennt, so zu urteilen?“ - so Ackermann empört. „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Dagegen müssen wir uns mutig und vehement zur Wehr setzen. Wir dürfen solchen Leuten nicht das Feld überlassen, sondern klarmachen, was wir in der Wirtschaft leisten - auch und gerade im Interesse unserer Belegschaften und des ganzen Landes. Wenn wir das nicht tun, dürfen wir uns nicht wundern, wenn der Linksdrall immer stärker wird und die Menschen Parolen glauben, die einen „ungezügelten Raubtierkapitalismus“ hierzulande am Werk sehen. Das ist absurd!“ Ja, das ist für Ackermann absurd. Ein Nobelpreisträger bekommt für sein Lebenswerk kaum das, was Herr Ackerman pro Monat verdient. Was hat so ein Schlucker ihm, dem glorreichen Herrn Ackerman zu sagen - geschweige denn vorzuwerfen.

Wie schön wäre es, wenn Ackermann eine Ausnahme wäre. Nicht ein bisschen anders sieht und empfindet auch der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Mehdorn, die Welt. In einer Talkrunde wurde ihm einmal vorgehalten, wie er sich überhaupt erlauben könne, die 30-Prozent-Forderung der Gewerkschaft der Lokführer abzuschmettern, während er sein eigenes Einkommen seit 1994 um 300 Prozent gesteigert sei. Mehdorn wies den Kritiker mit der kühlen Feststellung in die Schranken, dass seine Einnahmen sich im unteren Drittel der für führende Manager üblichen Gehälter bewegten. Recht hat er. Vergleicht man seinen Fall mit dem des Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking, der mit seinen 60 Millionen Jahreseinkommen mehr als das tausendfache seiner Porsche-Werker verdient, dann muss man Mehdorn eigentlich bemitleiden.

Das ist also die Logik und Ethik dieser Menschen. Sie können es sich nicht einmal vorstellen, sich selber etwas vorzuwerfen zu können. Im Gegenteil. Sie sind fest davon überzeugt, dass sie diejenigen sind, denen geschadet wird. Ihr wahrer Wert wird nicht erkannt und angemessen belohnt. Wie können sie dann Mitgefühlt mit denen haben, denen Rechte entzogen werden, Leben zerstört und Gesundheit ruiniert wird, mit denen, die der Kälte, dem Hunger und der Leere ausgesetzt sind.

Unsere Manager und alle anderen Reichen vergleichen sich also mit denjenigen, die noch mehr verdienen und besitzen als sie, und sie sind verbittert, wie in unserer Republik ihre Leistung schamlos unterschätzt wird und wie der Staat mit seinen Gesetzen und Steuervorschriften tief in ihre Tasche greift. So etwas sei ökonomisch unproduktiv und für die ganze Volkswirtschaft schädlich - beklagen sie bitter. Eine in der Tat interessante These. Die japanischen Manager, die im 20. Jahrhundert viel erfolgreicher waren als die westlichen, haben jedoch zehn bis hundertfach weniger verdient. Und sie verdienen immer noch unvergleichbar weniger als unsere. Vor Jahren hieß es einmal, Toyota-Manager genehmigten sich nur das Zehnfache des Gehalts ihrer Mitarbeiter, nicht mehr. Aber mit ihnen vergleichen sich unsere Genies wie Ackermann, Mehdorn und die anderen natürlich nicht. Ja, wer kann es schon besser wissen als sie, mit wem sie sich vergleichen sollen? Sie wissen auch, mit wem die anderen, die Arbeiter und Angestellten, sich vergleichen sollen und dürfen. Nämlich mit denjenigen aus den Entwicklungsländern, oder besser noch aus den ganz armen Ländern. Wie kann bitte unsere Wirtschaft auf Dauer konkurrenzfähig sein, wenn anderswo die Löhne zehn oder hundert mahl niedriger sind. Also sollen wir normalen Verdiener die Gürtel immer enger schnallen, uns schämen, wie egoistisch und unsolidarisch wir mit dem Rest der Welt sind.

Es spricht leider alles dafür, dass uns Menschen wie Ackermann und Mehdorn wirklich überzeugt haben. Man kann sich dabei nicht des Eindrucks erwehren, dass wir Deutsche wirklich ein pflegeleichtes Volk sind. Eins, das sich wie kaum ein anderes so spielerisch leicht von denen „von oben“ um den Finger wickeln lässt. So fällt das Einkommen bei uns für alle, die nicht zu den Spitzenverdienern gehören, real schon viele Jahre, unsere Manager bereichern sich buchstäblich dumm und dämlich. Auch "2007 war ein außergewöhnlich gutes Jahr" für sie, sagte Lothar Gries von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger laut "Welt am Sonntag". Mit einem durchschnittlichen Zuwachs von rund 14 Prozent lagen die Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft damit deutlich vor dem der Arbeitnehmer, deren Lohn- und Gehaltszuwachs mit durchschnittlich 1,4 Prozent unter der Inflationsrate lag. In drei der vergangenen vier Jahre hätten die Top-Manager zweistellige Zuwächse bei ihren Bezügen erreicht, schreibt die Zeitung weiter. Von 2003 bis heute hätten die Vorstandsgehälter durchschnittlich um 40 Prozent zugelegt.

Wie reagiert z.B. Herr Ackermann, wenn man ihn auf diese Tatsachen aufmerksam macht? Er fühlt sich missverstanden und beleidigt. „Unfähig, unsozial, abgehoben und geldgierig - jetzt ist der Reigen komplett.“ - bricht es aus ihm heraus. „Wir sind doch keine Unmenschen!“ Ach so! Keine Unmenschen? Die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, die sich bei unseren Managern und Reichen prostituieren, würden uns dies so erklären: Das System ist es, das die Manager und Reichen zwinge, auf eine bestimmte Weise zu handeln. Herr Ackerman hat auch nur zwei Möglichkeiten: Entweder (1) er überlässt seinen Posten einem andren, der ziemlich dasselbe tun wird, oder (2) er lässt das Unternehmen den Bach untergehen. Unsere Manager und Reichen sind - also - nur ein Produkt oder gar Opfer der Umstände und Sachzwänge. Man benützt dafür gerne den Begriff „ökonomische Notwendigkeit“, der von einem gewissen Karl Marx stammt. (Dieser Herr selbst erfreut sich heute aber keiner so großer Beliebtheit.)

So einfach wäre es - wenn dies stimmen würde. Es stimmt aber nicht. Das System, dem man sich angeblich nur fügt, ist alles andere als etwas Unvermeidliches, das spontan entstanden ist und sich nicht verhindern ließ. Auf keinen Fall. Wie jedes andere System ist auch dieses ein Menschenwerk. Weder Gott, noch die Natur oder irgendetwas anderes hat uns dieses System des institutionalisierten Egoismus und der niederen Instinkte aufgezwungen. Die Grundlagen dieses Systems haben ganz bestimmte Menschen entworfen und neulich ganz bestimmte Menschen und soziale Gruppen durchgesetzt, und zwar mit vielen raffinierten Strategien und gegen den Willen der Bevölkerung. Zu diesen Strategien gehören vor allem die so genannten Reformen. Durch sie wurden gewachsene Strukturen unseres Sozialstaates und unserer Wohlstandgesellschaft zerschlagen, nacheinander unsere Moral, unsere Werte, die Sicherheit der Menschen und die Demokratie zur Disposition gestellt. Und dies alles zu Gunsten der sozialen Gruppen, zu denen auch Ackerman und Mehdorn gehören. Also für Menschen, die auf eine sonderbare Art und Weise „ticken“. Für solche, für die soziale Härten und moralische Verwerfungen, die sie verursachen, nicht nur als hinnehmbar angesehen werden, sondern gar als vorteilhaft und erstrebenswert verstanden werden, und zwar in erster Linie für die Betroffenen. Für solche, die meinen, sie würden über den politischen und juristischen Instanzen stehen und müssten auf keinerlei abgestandene Ethik, keinerlei Gefühl Rücksicht nehmen. Mit einem Wort: für Unmenschen.

 
 
schmaler
schmaler
 
  35   zum Diskussionsforum aaDF10